Ich muss wohl sofort eingeschlafen sein, denn als ich aufwache wird es gerade hell und normaler weiße bin ich kein Morgenmensch sondern eine Nachteule. Das helle Licht fällt durch die Vorhänge herein in mein Zimmer und ich bemühe mich aus dem Bett zu kommen, es fällt mir schwer weil das Bett so schön warm ist, andererseits ist es auch ziemlich hart und unbequem. Kurz erwäge ich die Vor- und Nachteile des Aufstehens und entscheide mich dann, es einfach zu tun. Da ich die Nacht über meine Klamotten an hatte muss ich mich jetzt nicht unnötig anziehen und gehe sofort hinunter, ich möchte ja gerne ins Bad gehen, doch leider gibt es keines und ich müsste mich hinter dem Haus mit kaltem Wasser waschen und dazu hab ich wirklich keinen Lust. Diese Leute sind schon komisch, sie haben elektrisches Licht aber kein Badezimmer, doch als ich unten ankomme ist mein Groll vergessen, denn an einem Tisch sitzen Florian, Nick und Fred und vertilgen bereits das Frühstück. Ich hole mir einen Stuhl vom Nachbartisch und setzt mich zu ihnen, sofort stellt mir Florian einen Teller hin mit Brot, Käse und sogar Schinken. Ich hätte nicht gedacht, dass ich überhaupt irgendetwas zu essen bekommen würde und so frage ich mich auch gleich, woher er das Essen hat. Da fällt mir ein, dass das ja ein Gasthaus ist und das es hier sicher auch eine Vorratskammer gibt, zu meinem Glück. Als ich mit essen fertig bin verkündet mein Vater: „Brechen wir auf!“ So tun wir das auch, wir verlassen nicht nur das Gasthaus sondern auch die Stadt und machen uns auf den Weg zu Dons Schloss, dass irgendwo zwischen dieser Stadt und Argentum Obducto liegen muss. Der Weg ist zwar nicht sehr interessant, es gibt sehr wenig was ich noch nicht gesehen hätte und so verbringe ich die Zeit schweigend und versuche mir etwas zu überlegen. Die Zeit vergeht schneller als ich denke und ehe ich mich umsehe stehe wir schon ganz in der Nähe von Dons Schloss, es ist ganz weiß und wunderschön. Ich kann darüber nur staunen, solange ich es sehe versuche ich heraus zu finden, wie viele Jahre alt dieses Gebäude schon ist. Aber ich komme einfach nicht darauf, wahrscheinlich ist es älter als ich denke und vermutlich ist es noch älter. Als wir eintreten kann ich gar nicht fassen wie groß es ist und wie prachtvoll, außerdem fällt mir auf, dass es keinerlei Spuren eines Angriffes aufweist und verschont worden ist. Gleichzeitig frage ich mich auch, wieso, aber das werde ich sicher noch erfahren. Wir stehen vor einer Tür und ich weiß nicht, wie wir ins Schloss hinein kommen sollen. Doch zum Glück hat Florian einen Schlüssel bei sich und er sperrt die große Tür auf, direkt dahinter befindet sich ein großer Saal in den wir gehen und wir nehmen auf den Stühlen Platz während Florian die Tür zu macht und auch zu uns kommt. Plötzlich höre ich Schritte, die näher kommen und auch mein Vater muss sie hören, denn er sieht verwundert aus. Man muss uns gehört haben, als herein gekommen sind und jetzt kommt jemand, ich frage mich nur wer. Dieser jemand kommt auf jeden Fall geradewegs auf uns zu und wir gleich da sein, mein Vater steht erwartungsvoll auf und er macht sich schon dazu bereit jemanden zu erschlagen oder so. Die Tür schwingt auf und herein tritt ein großer, gut aussehender Mann mit schwarzen Haaren und einem Lächeln als wäre heute der schönste Tag seines Lebens. „Florian, Nickolas! Ihr lebt noch, zum Glück… ich befürchtete schon das Schlimmste. Lasst euch in die Arme schließen“, sagt dieser seltsame Mann. Er geht auf Florian und Nick zu um seinen Worten nach zu gehen und umarmt beide, die Beiden sind sichtlich darüber erfreut diesen Mann zu sehen und ich wundere mich, wer er ist. „Fred, du bist auch da, das freut mich. Und wer ist das?“, nun kommt er auf mich zu und sieht mich ganz groß an. „Dad, das ist meine Tochter Hannah.“ „Ja, du hast mir von ihr erzählt und du wolltest ihr doch ein normales Leben gönnen, solange es geht. Nun seid ihr hier, das freut mich…“ „Dafür haben wir jetzt keine Zeit, Vater. Wir müssen reden und zwar sofort“ „Gut, kommt mit! Wir gehe in einen anderen Saal, hier ist es so unangenehm.“ Nur ein kurzer Wechsel von Zimmern und wir sind schon in einem anderen Saal, in dem ein Tisch mit vielen Stühlen steht. Diese sehen sehr bequem aus und der Tisch ist perfekt für eine Besprechung, auch zum Essen oder sowas. „Nehmt Platz“, beschwört uns Don und ich nehme sofort auf dem erst besten Stuhl Platz. Alle anderen setzten sich neben mich und so sitzen wir alle am Tisch und warten, bist Florian etwas sagt. „Vater, du kannst uns doch sicher etwas über die Scala erzählen, oder?“ „Nein… wie kommst du denn darauf?“ „Gib es auf, ich weiß von dem Spiegel der in ihr Paralleluniversum führt. Ich habe ihn einst auf deinem Dachboden entdeckt, du kannst dich nicht verleugnen. Erzähl uns alles!“, fordert mein Vater. „Okay, okay, ich sag’s ja schon. Einst vertraute man mir einen Spiegel an, ich wusste damals schon von den Portalen in die andere Welt, also auf die Erde. Ich hatte sogar schon einmal eines dieses Portal gesehen, aber dieser Spiegel war vollkommen anders und irgendwie auch dunkel. Damals war ich noch ein Jugendlicher und ich versteckte den Spiegel dort, wo ich hoffte, dass ihn nie jemand finden würde, nämlich auf dem Dachboden. Später als ich Anna kennen lernte wurde mir bewusst, dass ich absolut nichts über dieses unheimliche Ding wusste und das ich etwas darüber in Erfahrung bringen sollte. So ging ich in eine Bibliothek und las alles, was man über diesen Spiegel wissen musste in einem geheimen Buch, dass man nur mit dem geheimen Satz bekommt und zum Glück hatten mir die Ältesten dass noch gesagt. Auf jeden Fall weiß ich so alles darüber und ich werde es euch erzählen, hauptsächlich deswegen, weil ich dir noch sehr viel schulde Florian. Also durch diesen Spiegel kommt man in ein Paralleluniversum, dass gänzlich anders ist als unsere Welt oder gar die Erde. Dort gibt es nur Schatten und kein Licht, auf jeden Fall nicht unter dem Begriff unter dem wir es kennen. Wie dem auch sei: dort leben Wesen, wir nennen sie Scala doch wie sie wirklich heißen weiß niemand. Noch nie hat sich jemand ihnen in den Weg gestellt oder gar einem von ihnen gegenüber gestanden und hat das überlebt. Sie sind so ähnlich wie Vampire, sie brauchen Blut um überleben zu können, doch sie können kein Tierblut trinken, denn damit könnten sie nicht überleben. Sie brauchen also menschliche Opfer, einige Zeit überleben sie ohne Blut und dann fangen sie an aus zu trocken, doch das ist nicht ihr Tod. Dieses austrocknen ist eher wie ein Schlaf, aus dem sie erst wieder erwachen, wenn sie mindestens einen Tropfen Blut getrunken haben. Aber nun zu Vorgeschichte: Zuerst lebten sie friedlich in ihrem Land und wir in unserem, niemand wusste, dass es den anderen gab. Doch dann wurden die ersten Spiegel erfunden und plötzlich gab es mehrere Paralleluniversen, von denen eines die Erde war und das andere die Welt der Scala. Als einige unsere Leute diese Portale ausprobierten kamen die einen von der Erde zurück und erzählten uns von deren Wundern und von den Scalas kam niemand mehr zurück, man wartete eine Woche und dann passierte das unmögliche. Ein junger Mann kam zurück, er hatte nicht mehr sehr viel Blut im Körper und man konnte ihn nicht mehr retten. Mit seinen letzten Atemzügen erzählte er den Leuten, welche Gefahr hinter diesem Spiegel lagen und wie es ihm ergangen war, mit seinem letzten Atem verriet er uns ein Warnung nie wieder dorthin zu gehen. Er hinterließ uns diese letzte Warnung und so vernichtete man alle Spiegel bis auf diesen einen, denn durch diesen Spiegel kommt man nicht nur dorthin sondern etwas kann auch heraus kommen. Das ist bei allen Spiegeln so, durch den ersten kann man herein und herauskommen, es gibt nur einen Haken: um heraus zu kommen muss der Spiegel ein Teil verlieren. Dass heiß, es muss ein Stück heraus gebrochen werden oder etwas muss fehlen und deshalb konnte man den Spiegel nicht zerstören, sonst wären alle Kreaturen frei gekommen. So gab man mir den Spiegel um ihn auf zu bewahren, eigentlich wollte man ihn meinem Vater geben, aber dazu kam es nicht mehr.“ „Okay, ist das alles, was wir wissen müssen? Oder gibt es noch etwas?“ „Nein, das ist alles was ich euch sagen kann, mehr weiß ich auch nicht. Florian, wo ist eigentlich Elly? Ich habe sie schon so lange nicht mehr gesehen, wie lange ist das schon her, dass ihr das letzte Mal bei mir wart?!“ „Ja, das ist tatsächlich schon ziemlich lange her. Aber sie kommt morgen hierher, sie musste noch etwas erledigen und ich werde sie beim Hügel abholen und dann gemeinsam mit ihr wieder zu dir kommen. Dann erzählen wir ihr alles, was sie wissen muss und auch alles, was uns so passiert ist.“ Ich kann es nicht fassen, meine Mutter würde morgen auch hierher kommen und sie wusste noch nichts von den Umständen, die hier herrschen. Mir ist zwar klar, dass sie und Florian sehr viel älter sind als ich und dass sie schon sehr viel mehr zusammen durchgemacht haben als ich mir vorstellen kann, aber ich habe Angst um sie, um Beide. Denn ich weiß nicht, wie meine Mutter ohne Florian zu Recht kommen würde oder gar er ohne Elly, die Beiden haben schon so viel durchgemacht um zusammen zu kommen, das durfte ihnen nicht genommen werden. „Hast du denn noch genug Zimmer für uns alle?“, fragt Nick eher zum Spaß. „Ja, natürlich und eure Zimmer sind noch so, wie ihr sie verlassen habt. Hannah, du kommst mit mir! Ich gebe dir ein Zimmer, das dir sicher gefällt.“ Wir gehen einen lange Wendeltreppe hinauf, wo es nur einen langen Flur gibt mit ziemlich vielen Türen zu verschiedenen Zimmern. Don geht zu einer Tür, die er scheinbar wahllos ausgesucht hat und verrät mir, dass das mein Zimmer ist und dass ich gern Veränderungen anstellen könne. Als ich eintrete merke ich, dass Don nicht übertrieben hat und dass dieses Zimmer mir tatsächlich gefällt. Es hat mehrere Fenster mit blauen Vorhängen, blau ist übrigens meine Lieblingsfarbe und dann fällt mir auf, dass das ganze Zimmer blau eingerichtet ist. Als hätte Don gewusst, wie glücklich diese Farbe mich macht und so als habe er es extra für mich eingerichtet, als hätte er gewusst, dass ich einst kommen würde. Die Bettwäsche, die Lampen, das Tischdeckchen, die Wände, die Decke, der Boden und sogar einige blaue Kleider hingen im angrenzenden Schrank. Es war wunderbar und als ich die eine Tür öffnete und so in den Kleiderschrank kam, wo ich die Kleider entdecke, bin ich total glücklich, denn sie sind wunderschön und wie gemacht für mich. So gehe ich erfreut zu Bett und fühle mich total wohl in diesem Gebäude.